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Teil III – Irland, Frühe Hochkulturen am Rande Europas

Wenn man fast 10 Jahre lang Irland geführt hat, wird man entweder zum Mörder oder zum passionierten Golfspieler. Nun, für beides braucht man viel Zeit, entweder zum Sitzen oder zum Putten und mit beidem kann ich nicht dienen, da ich ja ständig in der Welt umher irre. Und nun also endlich zum ersten Mal mit einer eigenen Gruppe des Reisediwan nach Irland gekommen bin, um meinen Gästen dieses ungewöhnliche, und jawohl, in vor allem Hinsicht auf die frühen Tage Europas spektakuläre Land nahe zu bringen.

 

Newgrange, Irlands Muttertempel

Newgrange, Irlands Muttertempel

 

 

Muss man erwähnen, dass das Reservierungssystem von Newgrange aus dem Mitttelalter übernommen wurde und man im Jahre 2016 nicht in der Lage ist, tickets online zu reservieren? Na ja, Boykott kommt nicht in Frage, schliesslich handelt es sich her um meinen Lieblingsmuttertempel, Schlüssel zum Verständnis der frühen Geschichte Europas. Das grösste Ganggrab Europas ist mitnichten nur Grablege einer Dynastie, man betritt im wahrsten Sinne des Wortes durch den Uterus den Leib der Erdmutter, deutlicher wird diese Gnade nirgendwo auf der Welt gewährt. Die Spiralen der maltesischen Tempel tauchen auf, das Matriarchat aus dem Lande der Mutter, aus Anatolien, hat hier den Weg in den Norden gefunden, eine Grundlage gelegt für den eigenwilligen Weg der Religionen, den Irland so gerne gegangen ist.

 

Der Eingang in den Schoss der Urmutter, Stein der drei Spiralen, Newgrange

Der Eingang in den Schoss der Urmutter, Stein der drei Spiralen, Newgrange

 

 

Die prähistorischen Goldfunde im Dubliner Nationalmuseum sind ebenso spannend wie die Kunst der frühen Christen, Irland hat wahrlich in einer Zeit, wo der Kontinent im Dunkeln der nachrömischen Epoche dahin dümpelte, das Licht der Zivilisation hochgehalten. Allerdings hatte das damalige irische Christentum wenig mit der katholischen Kirche Roms gemein, von den ägyptischen Mönchen ebenso beeinflusst wie von den Merowingern mit ihrer Vorstellung vom Heiligen Blut. Was dazu führte, dass nach der Krönung Karls des Großen den Iren die Pilgerfahrt nach Rom verboten wurde.

 

Teil einer Fibel, Irisches Nationalmuseum, Dublin

Teil einer Fibel, Irisches Nationalmuseum, Dublin

 

 

Iren sehnten sich nicht nach Märtyrertum, ihre weltberühmten Hochkreuze sprechen eine sehr deutliche Sprache, ihr Christus war mit Schwert und Schild gekommen. Ähnlich den piktischen Bilderstelen finden sich vorchristliche Motive auf vielen Kreuzen, andere zeigen Reste der Krönungssteine irischer Könige. Kilfenoras vielbesungene Kreuze stellen koptische Mönche dar, der äthiopische Bischofsstab zeigt deutlich, das Irlands Christentum direkt aus Afrika gekommen ist.

 

Das jüngste Gericht, Christus mit den Symbolen des Gottes Osiris, Hochkreuz von Monasterboice

Das jüngste Gericht, Christus mit den Symbolen des Gottes Osiris, Hochkreuz von Monasterboice

 

 

Hail Macbeth, Hail the king of Scotland! Polanski lässt in seinem in Irland gefilmten Werk die Krönung des durch Shakespeare so berühmten Königs im Steinkreis von Drombeg stattfinden. Einsam und mit Blick aufs Meer gehört er zu den eindrucksvollsten Zeugen der Vergangenheit, von der Lage allerdings noch übertroffen durch den winzigen Steinkreis von Uragh, in wunderbarer Landschaft der Halbinsel Beara ein weiteres Highlight unserer Exkursion in Europas frühe Tage.

 

Drombeg Stone Circle (Copy)

 

 

Wer auf den Skelligs nicht vor Erfurt erblasst, kann das Reisen eigentlich lassen. Burgen Gottes inmitten rauer See, so muss Brunhildes Schloss ausgesehen haben, umgeben von der Waberlohe, von niemandem zu erobern. 600 Stufen führen hinauf auf den Berg des heiligen Michael, Bienenkorbhäuser dienten wohl ägyptischen Mönchen seit dem fünften Jahrhundert als dürftige Bleibe. Weniger Mensch geht nirgends, nicht einmal in der Wüste. Aber hier zu Gott zu finden? Was muss in Menschen vorgegangen sein, die in dem Verzicht auf einfach alles ihr Glück fanden?

 

Skelligs

 

 

Nun, eine Freude hatten sie jedenfalls, wenn allsommerlich die schönsten Vögel des Nordens einzogen, um in ihren Wohnhöhlen zu brüten. Puffins, Papageientaucher, wohin das Auge blickt. Begleitet von Eissturmvögeln, Silbermöwen und Lummen haben sie sich hier eine ebensolch dramatische Residenz ausgesucht, wie ihre großen, eleganten Brüder von Little Skellig. Basstölpel wie in Daphne du Mauriers Novelle „Die Vögel“. Sie begleiten unser heftig schaukelndes Boot noch bis wir wieder die Küste Kerrys erreicht haben…

 

Papageientaucher auf Skellig Michael

Papageientaucher auf Skellig Michael

 

 

Wenn Pasolini doch nur diesen Ort gekannt hätte. Er hätte ihn sofort als Kulisse eingesetzt für eines der endlosen antiken Dramen, welche er so geliebt hat. Dun Anghus, Irlands stolzeste Burg, hoch über dem Atlantik auf den Aran Inseln gelegen, ist für mich der dramatischste Punkt Irlands. Die schier endlosen grauen Mauern, raffiniert zusammengestellt in jahrhundertelanger Arbeit, die gefährlichen Klippen, das Tosen des Meeres und dann die Mittsommernachtsruhe am schwarzen Fort. Wo ein lang gehegter Wunsch in Erfüllung ging. Einmal im Leben wollte ich einer Gruppe Gleichgesinnter diesen, meinen geheimen Ort, zeigen. Zaubern. Ihnen zeigen, warum Irland eben doch etwas ganz, ganz besonderes ist. Ich glaube, es ist mir gelungen….auch wenn ich für den Regenbogen ein bisschen auf die Hilfe der irischen Heiligen angewiesen war…

 

Wilde Küste, wildes Land, die Aran Inseln

Wilde Küste, wildes Land, die Aran Inseln

 

 

 

 

 

 

Blick auf Little Skellig

Blick auf Little Skellig

Abschied von Irland im Black Fort, 22 Uhr abends

Abschied von Irland im Black Fort, 22 Uhr abends

Der Steinkreis von Uragh, Beara Halbinsel

Der Steinkreis von Uragh, Beara Halbinsel

 

 

„Tristan und Isolde“, Eine Luxusreise durch Irland mit dem Reisediwan Juni/Juli 2016

 

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