Die Stunde der Leopardin

Es dämmert bereits, als wir Nachricht erhalten, ein Leopard sei ganz in der Nähe gesichtet worden. Also brechen wir den Sundowner mit Blick auf den Samburu- Nationalpark ab und fahren in die angegebene Richtung. Und tatsächlich, in einem Graben sitz die majestätische Katze. Langsam zieht sie sich in Richtung eines Busches zurück, und als wir ihr folgen, beobachten wir, wie sie eine Gazelle im Busch versteckt hält. Ein Fahrer erblickt für Sekunden ein Leopardenjunges, offensichtlich hat die Leopardin ein Futterversteck angelegt um ihr Jungtier zu versorgen. Und wir müssen abbrechen, die Tore zum Nationalpark drohen zu schließen.

 

In der Dämmerung

In der Dämmerung

 

 

 

Am nächsten Morgen fahren wir eine Stunde zurück um zu sehen, was aus unserem Leoparden geworden ist. Und siehe da, die angenagte Gazelle liegt ausserhalb des Busches und wird fleissig von einem Schabrackenschakal bearbeitet. Ein Gänsehabicht beobachtet die Szene, um wenig später mit seinem Partner hinzukommen und gierig am Fleisch zu reissen.

 

Gänsehabicht am Aas

Gänsehabicht am Aas

 

 

Diese Szenen waren schon spannend genug, noch nie habe ich ein Gänsebussardpaar am Aas gesehen. Ein wenig abseits haben wir dann das große Glück, der Leopardin habhaft zu werden, gefolgt von ihrem Jungtier. Der kleine stürmt auf die Mutter zu, man begrüßt sich heftig und liebevoll, ein wunderbarer Anblick. Löwenjunge habe ich schon oft gesehen, aber dieser Augenblick verschlägt mir die Sprache. Und dann folgt das große Drama.

 

Unglaublich

Unglaublich

 

 

Vor unserem Jeep liegt verschreckt am Boden geduckt eine winzige Grants-Gazelle. Die Leopardin entdeckt das Jungtier, beschnuppert es und fährt fast zärtlich mit der Tatze über das Kleine. Fast möchte man meinen, sie adoptiert das verschreckte, mit starren Augen in die Ferne blickende Etwas, aber weit gefehlt. Der Rachen des Fleckentieres umschliesst in Sekunden das arme Kleinwesen und packt die Gazelle, schleppt sie Richtung Felsen und sucht für ihr Frühstück ein Versteck hoch oben in den Felsen.

 

Futter für das Leopardenbaby

Futter für das Leopardenbaby

 

 

Und nur Minuten später taucht dort oben das Leopardenbaby auf, während unten die Gazellenmutter nach ihrem Baby schreit. Das Weinen des kleinen Tieres hat sie herbeigelockt, sie rennt hin und her und sucht ihren Nachwuchs. Vergeblich. Mutter Natur hat zugeschlagen, direkt vor unseren Augen. Ein großes Afrikaerlebnis, ein unglaublicher Morgen im Busch von Samburu, Kenia

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